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Alt 20.11.2007, 14:09   #3 (Permalink)
wiseacre
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Frage AW: Romantische Liebe -was sie auszeichnete

Hallo Radost,
du hast dich ja bereits in beeindruckendem Maße und sehr wissenschaftlich mit der romantischen Liebe beschäftigt (war auch mal auf deiner Seite). Da kann ich allerdings nicht mithalten, mir stehen nur meine eigenen praktischen Erfahrungen zur Verfügung

Allerdings würde ich mich immernoch als sehr romantikanfällig bezeichnen, glaube aber auch, dass ich in der Vergangenheit, besonders in der Jugend, wesentlich weniger gelitten hätte, ohne das tradierte Ideal der romantischen Liebe.

Du hast ja unheimlich viel Wissen hier zusammengetragen. Mich würde allerdings auch interessieren, was du als Person über dieses Thema denkst.

Zitat:
(3) Sie funktioniert durch die Idealisierung des Partners bzw. des eigenen Engagements, womit ausreichend Motive für die Interaktion mit dem anderen gewonnen werden.
Muss damit die romantische Liebe nicht enden, wenn die Idealisierung des Partners nach der ersten Verliebtheitsphase nicht mehr in gleichem Maße aufrecht erhalten werden kann?

Zitat:
(4) Sie pocht in ihrer Exklusivität auf die unbedingte Präferenz für eine bestimmte individuelle Person bzw. die einzig richtige Person, so daß eine Sozialbeziehung zu zweit erwächst, die u.a. erheblich Komplexitätselemente vermindert. Diese Ausschließlichkeit impliziert Treue, die als langfristige Hilfsbereitschaft und Loyalität zu verstehen ist.
Ist nicht vielmehr zwar die Beziehung zwischen den Partnern einzigartig, aber doch nicht die einzig überhaupt mögliche? Kann denn solch eine Vorstellung, da draußen existiere wirklich nur der eine richtige, heute überhaupt aufrechterhalten werden? Ist Treue nicht trotzdem denkbar, denn es wäre ja sozusagen ein anderes Leben mit dem anderen, nicht dieses?

Zitat:
(7) Sie wird aufgrund der absoluten Fixierung auf ein besonderes Gegenüber von den Liebenden mit höchster persönlicher Relevanz ausgestattet, womit ausgesagt ist, daß sie als wichtigste Angelegenheit ihrer Träger keine Konkurrenz durch andere persönlichen Beziehungen erfährt.
Wäre es nicht nur unmöglich, sondern auch eher nachteilig, diese absolute Fixierung so auf Dauer aufrechtzuerhalten, wenn andere wichtige und ebenso emotionale Beziehungen (z.B. zu gemeinsamen Kindern) konkurrieren?

Zitat:
(9) Sie bedeutet den einzig legitimen Grund der Partnerwahl und stellt somit das ehestiftende Motiv dar.
Waren nicht gerade zu der Zeit, als das Ideal der romantischen Liebe seine Blütezeit erlebte, oftmals ander Motive wirklich ehestiftend?

Zitat:
(10) Sie ist darauf angelegt, für immer und ewig zu halten, also dauerhaft zu funktionieren, denn nach der Wahl des einen richtigen Partners kann man sich keinen ‘richtigeren’ Nachfolger vorstellen und die konkrete Partnerwahl erscheint als einmalige und lebenslang bindende Entscheidung.
Ist das nicht schon Widerspruch in sich, einerseits diese hohe Idealisierung, andererseits der Anspruch auf Dauerhaftigkeit? Wird durch solche, m.E. überzogenen, Erwartungshaltungen nicht vielmehr Enttäuschung, Frustration und Lüge provoziert?

Ich lass es jetzt mal gut sein. Wie gesagt, ich bin absolut Laie und Praktikerin, und mich würde deine persönliche Meinung interessieren.

Grüße von wiseacre
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